Mittwoch, 28. Mai 2008

Zwei Monate Yiquan Training in Peking Tagebuch

Über sein zwei Monate dauerndes Yiquan Training in Peking (Beijing) im Sommer 2007 in einer chinesischen Yiquan Schule hat ein US-Amerikaner in seinem Weblog geschrieben (Englisch).
Der Blog geht über mehrere Seiten, die man leicht übersieht und die man über ein winziges Häkchen ganz unten erreichen kann. (Wenn man den Text chronologisch lesen möchte, dann muss man von ganz hinten anfangen.)



Vorbemerkung: Da Yiquan eine Kampfkunst ist, bei der man entweder steht (Standmeditation) oder sich mit „komischen Bewegungen“ ausdrückt (siehe den Videoclip oben), haben sich einige Blogger in den USA über diesen Blog lustig gemacht. Für den Autoren wurde es so schlimm, dass er seinen Blog beinahe aus dem Netz genommen hätte. Zum Glück hat er dies nicht getan.

Hier eine deutsche Zusammenfassung des im Original englischen Textes:

Der Autor (leider konnte ich seinen Namen nicht finden) buchte beim Pekinger Kampfkunst-Meister Yao Chengguang einen intensiven Privatunterricht in der Inneren Kampfkunst Yiquan. (184 Stunden Yiquan Training im Monat = 7 Stunden am Tag mal 6 Tage pro Woche mal 4 Wochen und 4 Sonntage mit 4 Stunden pro Sonntag.) Er hatte seit vielen Jahren Kampfkünste trainiert (einschließlich Karate, Ashtanga Yoga und Tai Chi Chuan, insgesamt etwa dreißig Systeme) und war dabei immer wieder auf die Kampfkunst Yiquan gestoßen, in der das Training auf die entscheidenden Grundlagen reduziert ist. Die Bewegungen sind sehr subtil und kleine Dinge bedeuten viel. Er suchte für sich (und fand) im Yiquan die Grundlagen der Inneren Kampfkünste.
In der Yiquan Schule üben auch Schüler aus Rußland, Japan, Frankreich und natürlich China. Keine Frauen sind dabei, alle Schüler sind Männer.
In der Kampfkunst-Schule wird am Qi (Lebensenergie) gezweifelt. Der Begriff Qi sei eher deshalb entstanden, weil den Kampfkünstlern im alten China ein wissenschaftliches Vokabular fehlte. Die von den alten Meistern geforderte Konzentration auf das Dantian habe einfach nur zum Ziel gehabt, die Vorstellungskraft des Übenden von Ablenkungen abzuhalten. (Die Verneinung des Qi bezweifelt der Autor, angesichts der vielen Akupunktur Praxen in Peking und die Qi Diskussion zieht sich durch den ganzen Blog.)
Das Yiquan System kennt sehr viele Übungen. Jeder Schüler in der Schule hat einen Trainingsplan mit sechs eng beschriebenen Seiten, auf denen die Yiquan Übungen stehen, die er üben soll. (Die Liste der Yiquan Übungen ist im Blog als Fotokopie veröffentlicht. Leider bringt dies nicht viel, weil die Liste in chinesischen Schriftzeichen geschrieben ist.) Das gibt Hunderte Übungen allein für den Yiquan Anfänger. Die grundlegenden Übungen sind die Standmeditation (Zhanzhuang), kleine und kraftvolle Bewegungen (die Energie testen, Shili) und schnelle und massive Bewegungen (Explosivkraft, Fali). Der Autor wundert sich, woher manche Leute die Zeit nehmen, diese vielen Yiquan Übungen zu praktizieren. Der Yiquan Meister erklärt, dass diese Übungen bei den fortgeschrittenen Schülern in neuen Übungseinheiten miteinander verschmelzen.
Der Yiquan Meister erklärte, dass viele Yiquan Schüler zu ihm kommen, um ihre angeblichen Kenntnisse zu vertiefen und ein Fortgeschrittenen-Training zu absolvieren – dabei müßte man bei diesen Schülern wie bei einem Anfänger immer vom Punkt Null anfangen. Die Kraft vom Yiquan Meister ist gewaltig, beim Push Hands genügt ihm eine Berührung und sein Gegener fliegt hart gegen die Wand. Wenn der Yiquan Meister mit dem Autoren Push Hands trainiert, dann hat der Amerikaner den Vorteil, dass er seit Jahren Tai Chi Push Hands geübt hat und den Yiquan Meister so vor ein Problem stellt, die Angriffskraft ins Leere zu leiten – was der Yiquan Meister aber überwinden kann, mit einer plötzlichen explosiven Kraft (jing zha li). Der Autor kommt sich beim Yiquan Push Hands mit dem Kampfkunst Meister vor wie in einer Achterbahn. Ein junger, großer und kräftiger Chinese ist regelrecht geschockt, als der Yiquan Meister ihn ein wenig durch den Raum wirft. Wenn man beim Training den Körper vom Yiquan Meister berührt, merkt man die Ursache für seine „unmenschliche Kraft“, sein ganzer Körper bewegt sich immer nur als Einheit. Er kann sich vorwärts bewegen ohne Widerstand, als wäre kein Gegner vor ihm. Er bewegt sich immer gleich, ob nun jemand versucht, sich ihm in den Weg zu stellen oder nicht. Die Yiquan Übungen testen die eigene Widerstandskraft aus bis zum äußersten.
Die Standmeditation ist für den Autoren am Anfang hart. Er kann maximal fünf Minuten die Arme in der vorgegebenen Position halten, dann kann er vor Schmerzen für eine Stunde die Position nicht mehr einnehmen. Nach ein paar Tagen ist er aber in der Lage, die Yiquan Positionen eine Stunde lang zu halten. In der Regel hält er aber eine Yiquan Position für zehn Minuten und wechselt dann ohne Pause in die nächste. So beginnen täglich die ersten zwei Yiquan Stunden. Dann lehrt Yiquan Meister Yao den Schülern viel über die Philosophie dieser Kampfkunst. In den Positionen der Yiquan Sitzmeditation wird die Vorstellungskraft geübt, es wird dem Lehrer gelauscht oder es werden sogar Videospiele gespielt.
Manchmal kommen neue Yiquan Schüler in die Klasse, die bei ihrem vorherigen Lehrer eine Standmeditation täglich drei Stunden lang eingenommen haben. Meister Yao findet dies lächerlich. Denn der entscheidende Punkt bei der Yiquan Standmeditation wäre nicht die körperliche Übungen sondern eher das Training der Vorstellungskraft. Und es wäre unmöglich, die Vorstellungskraft für drei Stunden korrekt zu trainieren. Er empfiehlt, eine Yiquan Position in der Standmeditation nicht länger zu halten als 10 bis 15 Minuten. Nach einer Weile des Übens wird der Alltag zum Training. Der Autor berichtet, wie der Körper beispielsweise beim Warten auf den Bus beginnt, von selbst Yiquan Übungen zu machen.
Der Autor empfindet die guten Kampfkunst-Meister wie großartige Tänzer, die sich wie Toreros mit Stil und Grazie bewegen, dann aber mit der Kraft von einem Rhinozeros zuschlagen oder treten.
Die verschiedenen Methoden, eine Kampfkunst zu lernen, vergleicht der Autor mit einem Menschen, der 1840 in Boston gelebt hat. Wenn dieser Mensch nach San Francisco wollte, dann konnte er mit der Eisenbahn fahren oder mit dem Schiff. Auf beiden Wegen kam er an sein Ziel. Genauso führe viele Wege, eine Kampfkunst zu lernen, an das gleiche Ziel.
Daneben gibt es in dem Blog Einblicke in das Leben in China, über die dicke Luft in Peking, die vielen Raucher, die kleinen Hunde der Chinesen, das Leben auf der Straße, die Universität in Peking, dass Chinesen kaum über das Wetter reden (im Gegensatz zu den Japanern), sein Geheimnis zu Selbstheilung durch einen kräftigen Cayenne Pfeffer Tee.
Der Amerikaner benutzt in seinem Blog auch ein deutsches Wort: Blitzkrieg.


* Hier mehr über: die Innere Kampfkunst Yiquan

Buch Tipp zur Inneren Kampfkunst Yiquan:

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