Sonntag, 13. Juli 2008

Was sind Innere Uebungen

Was steckt hinter den inneren Übungen von Tai Chi, Qigong oder Yoga? Was unterscheidet Tai Chi, Qigong oder Yoga von Gymnastik oder einfach nur Meditation?

Der Begriff Innere Übung erinnert an Innere Uhr, Innere Ruhe, Innere Freiheit, Innere Kündigung oder an den Inneren Schweinehund. All diese haben Einfluss darauf, wie der Mensch seinen Alltag unbewußt gestaltet.
Eine Innere Übung hat zum Ziel, mit Hilfe der Vorstellungskraft den Körper positiv zu beeinflussen und in einer Rückkopplung auch wieder den Geist. Mit einer inneren Übung trainiert die Vorstellungskraft den Körper. Nein, das wäre zu verkrampft. Die Aufmerksamkeit trainiert den Körper. Hier ein paar Meldungen aus der Welt der Wissenschaft (aus dem Gedächtnis geholt):

* Muskeln werden bereits nach zwei Wochen messbar stärker, wenn man täglich nur in Gedanken an Bodybuilding-Geräten trainiert oder Gewichte stemmt.

* Die Anwesenheit eines Hundes im Arbeitszimmer verbessert die Leistungen der im Raum arbeitenden Menschen.

* In Krankenhäusern verlangen Patienten weniger Schmerzmittel für die Nacht, wenn sie zuvor im Fernsehen eine witzige Sendung gesehen haben.

* Im Leistungssport wird immer mehr mental trainiert. Meditation, Autogenes Training oder Techniken aus dem Qigong oder Yoga sind Grundlagen für den Erfolg.

Negative Innere Übungen

Der Mensch ist sehr gut darin, Innere Übungen zu praktizieren. Es sind aber meist negative Gedanken, denen er mit Begeisterung nachhängt und den Körper ausgesetzt. Schlaflosigkeit wird antrainiert, weil man bedrückende Gedanken nicht mehr loslassen kann. Die negativen Gedanken und Gefühle schlagen sich auf die Organe. Jeder hat da sein spezielles Organ. Dem einen schießt es in den Rücken, bei einem anderen meldet sich der Magen oder die Blase macht einem ständig Beine. Wenn psychische Ursachen für Schmerzen und Beschwerden ausgemacht werden, dann ist es dem Patienten gelungen, seinen Körper zu beeinflussen, wenn diese Wirkung auch nicht gewünscht war. Der Geist beeinflußt den Körper die ganze Zeit.
Unter anderem aus diesem Grund sind Innere Übungen auch immer verbunden mit dem so genannten Nicht-Denken. Das Nicht-Denken vertreibt die unerwünschten Gedanken durch ein Lenken der Aufmerksamkeit. Negative Gedanken werden freundlich begrüßt und gleich wieder verabschiedet. Besonders sollen die Gedanken vertrieben werden, die immer um das gleiche Thema kreisen, im Moment aber gar nicht gelöst werden können.

Positive Innere Übungen

Jeder Mensch kann also mit seinem Geist, mit seiner Aufmerksamkeit seinen Körper beeinflussen. Wenn jemand anfängt von Läusen zu erzählen, dann fängt früher oder später der Kopf an zu jucken, von allen Männern und Frauen in Hörweite. Wenn man sich vorstellt, dass die Leber gut arbeitet und den Körper gut entgiftet, dann passiert nichts? Auch nicht, wenn man dies regelmäßig tut, täglich? In der Meditation kann man dasitzen und warten, was passiert, oder man absolviert im Geiste Übungen. Die Vorstellungskraft lächelt in den Magen oder läßt den Körper sich bewegen.
Ist es möglich, innere Organe zu beeinflussen? Mit der Vorstellungskraft kann man in jedes Organ gehen und es beeinflussen – aber nicht unbedingt steuern. Negativ wie positiv. Natürlich bringt ein einmaliges Lächeln in den Magen nicht viel, aber wer regelmäßig mit der Vorstellungskraft seinen Organen etwas gutes tut, der wird langsam aber sicher die Organe trainieren können, so wie Muskeln trainiert werden können.
Bizeps oder Nieren: Was ist wichtiger, ein trainierter Bizeps oder gesunde Nieren? Keine Frage, die Nieren. Trotzdem gibt es viele Übungen, mit denen der Bizeps trainiert werden kann, aber keine für die Nieren. Wie soll man auch die Nieren trainieren können? Die liegen doch im Körper. Die können doch gar nicht willentlich beeinflußt werden.

Das gleiche Ziel: Schulmedizin und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

So unterschiedlich sind Schulmedizin und TCM gar nicht. Ihre Methoden sind unterschiedliche aber beide haben das gleiche Ziel: die Anregung der Selbstheilungskräfte der Körpers. Beide wollen die „Chemiefabrik“ im Körper anregen. In jedem Menschen arbeitet eine Chemiefabrik, deren körpereigene Stoffe den Körper gesund halten oder gesund machen. Wenn ein Arzt sein Handwerk versteht, dann fühlt sich ein Patient schon besser, wenn er den Arzt besucht hat. Die Chemiefabrik arbeitet wieder besser. Der Körper wird als Kraftquell genutzt und nicht behandelt wie ein Objekt. Es wird geschätzt, dass mehr als die Hälfte der Heilwirkung einer Tablette in der Schulmedizin auf den so genannten Placebo-Effekt zurückgeht.
Der Unterschied zwischen Schulmedizin und Traditioneller Chinesische Medizin liegen eher in der Vorbeugung, die in der westlichen Medizin stiefmütterlich behandelt wird und in der TCM zur Kunst entwickelt wurde. Das Ziel der inneren Übungen ist identisch mit dem der westlichen Medizin, auch wenn es mehr um langfristige Erfolge geht und um Vorbeugung.


Bewegung von Körper und Geist

Der menschliche Körper ist so gebaut, dass er Bewegung braucht, um richtig zu funktionieren. Bewegung kann die Stimmung heben und diese wiederum kann innere Prozesse auslösen. Sport beeinflußt den Geist und der Geist beeinflußt den Körper. Innere und äußere Übungen wirken zusammen als Katalysator bei der Entwicklung von Körper und Geist.
Die erste Wirkung einer Inneren Übung ist die Aufmerksamkeit. Es wird registriert, wenn der Körper eine Fehlhaltung einnimmt, wenn die Augen von einer Tätigkeit überanstrengt werden oder sich Stress aufbaut. Der Körper soll aus Sicht des modernen Menschen funktionieren wie eine Maschine und allen Wünschen des Kopfes nachkommen. Durch Innere Übungen werden die Warnsignale des Körpers wieder frühzeitig registriert. Bald wird nebenbei, praktisch automatisch in den Körper hineingehorcht.

Innere Übungen = Leben wie ein Hund

Der moderne Mensch akzeptiert nur den Erfolg, den er messen kann, mit Uhr, Waage, Schrittzähler, Anzahl der Übungen, Weite der Strecke, Gewicht der Hanteln. Es ist ein Leben nach Plan und Erfolgskontrolle. Mein Auto, mein Haus, mein Boot! Wenn er Bewegung in sein Leben bringen will, dann muss ein großes Ziel her. Wer sein Leben ändern will, der setzt sich verbissen ein großes Ziel und dafür wird immer öfter der Marathon genommen. Hier hat man eine Strecke und zwei Zeiten. Die Zeit, in der man die zweiundvierzig Kilometer Marathonstrecke zurücklegen kann und die Zeit, bis man so weit ist. In einem halben Jahr eine Marathon laufen!

Innere Übungen sind auch ein Marathon, aber ohne die Angabe von Strecke oder Zeit. Es ist ein Weg, der nicht endet. Der Weg ist das Ziel. Man kann sich einen Plan machen, wie man 100 Liegestütze am Stück schaffen kann. Man macht einen Plan, an welchem Tag was wie oft geübt wird. Dann kann man schon fast den Tag ausrechnen, ab dem man die 100 Liegestütze schafft. Den Erfolg einer Inneren Übung kann man kaum messen, nicht vorhersagen oder planen. Es hat keinen Sinn sich zu ärgern, wenn es nicht so gelingt, wie man sich vorgestellt hat. Man ist immer nur so gut, wie man gerade ist. Verbesserung kommt nur durch tägliches Üben.

Ein Gleichnis zum Qigong ist ein Gleichnis für alle Innere Übungen: Ein Gärtner gießt jeden Tag seine Blumen, damit sie wachsen und gedeihen können. Jeden Tag macht er sich die Mühe. Diese Mühe ist zwar nicht groß, aber warum kann er sich diese tägliche Mühe nicht erleichtern und einfach die Jahresmenge Wasser, die seine Blumen benötigen, aus einem Wassertank auf einmal auf die Blumen ergießen? Die Blumen brauchen nicht viel Wasser, aber dies jeden Tag - nur dann können sie blühen.

Im Qigong und Yoga basieren praktisch alle Übungen auf Jahrhundertelangen ja Jahrtausendelangen Erfahrungen. Mit Inneren Übungen aus Qigong und Yoga sollen alle Organe des Körpers möglichst mühelos aber effektiv positiv beeinflußt werden. Es ist nur eine Frage der inneren Einstellung, von der Inneren Kündigung zur Inneren Kraft zu gelangen.

Innere Übungen haben einen gemeinsamen Nenner: die Entspannung. Entspannt auf einem Level surfen, den Flow spüren. Es soll eine innere Leichtigkeit erlangt werden, um „tanzend“ durch das Leben zu gehen Der Körper kann während einer Inneren Übung ruhen oder sich bewegen, die Vorstellungskraft ruht nicht.

Lese-Tipp: Mit Atemtechniken im Alltag diskret den Geist beruhigen. „Wie Atemnot entsteht und vergeht. Sechs schnelle Übungen gegen Stress“ von Maxi Zöllner.

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